Wichtige Dinge

Wie im Bereich Haltung bereits kurz angeschnitten, gibt es so gut wie keine fertigen Käfige, die eine artgerechte Degubehausung darstellen. Gerade für Degu-Neulinge oder diejenigen, die eine Anschaffung von Degus in Betracht ziehen möchte ich hier im Folgenden auf einige, sich zumeist ergebende Fragen eingehen. Unter Anderem auch die Möglichkeiten verschiedener Käfigarten aufzeigen.

1. Wieviele Degus sollten angeschafft werden?

Wie bereits erwähnt sind Degus sehr soziale Tiere, die in freier Wildbahn in Gruppen von ca. 5-10 Tieren leben. Degus sollten daher grundsätzlich nie alleine gehalten werden!

Es empfiehlt sich von Beginn an mit mindesten 3 Tieren anzufangen. Hat man hingegen nur eine Gruppe von 2 Tieren und eines der Tiere verstirbt plötzlich steht man schnell vor dem Problem, ein geeignetes Ersatzpartnertier zu finden. Da Degus vom Charakter her durchaus unterschiedlich sind ist es nicht immer einfach einen passenden neuen Partner zu finden. Ferner sollten sich fremde Degus auch niemals direkt zusammengesetzt werden, da dies zu Kämpfen zwischen den Tieren führen kann, die auch durchaus den Tod eines Tieres zur Folge haben kann. Degus sollten immer über einen längeren Zeitraum sozusagen Schrittweise miteinander vergesellschaftet werden. Wichtig für eine Vergesellschaftung ist es, die Verhaltens- und Lautäusserungen von Degus gut deuten zu können. Dies ist jedoch gerade für Neulinge oftmals schwer, so dass es ratsam ist, zu Beginn einer Degu-Haltung eine Gruppengröße von mindestens 3 Tieren in Betracht zu ziehen, damit man sich nach Möglichkeit erspart schon als Anfänger mit einer Vergesellschaftung konfrontiert zu werden.

 

2. Woher bekomme ich Degus?

 

Bitte keine Degus im Zoofachhandel, Baumärkten oder so genannten Züchtern kaufen! Leider, leider verfügen viele Verkäufer nur über mangelnde Kenntnisse, was Degus anbelangt. Nicht selten werden völlig ungeeignete Käfige mitverkauft, falsche Infos zur Deguernährung gegeben und noch schlimmer, die Geschlechter der Tiere gänzlich falsch bestimmt. Gerade die falsche Geschlechterbestimmung lässt nicht selten Neubesitzer vor Probleme stehen, dass da plötzlich wesentlich mehr Degus im Käfig rumwuseln. Angesichts dessen, dass Degus sich sehr rasant vermehren steht der Degu-Neuling also vor dem Problem, dass irgendwer nun die Geschlechter mal richtig bestimmen muss und die Tiere entsprechend der Geschlechter getrennt werden, damit Männchen und Weibchen nicht mehr zusammen gehalten werden und sich so noch mehr unerwünschter Nachwuchs ergibt. Da der angeschaffte Käfig zumeist auch nicht dazu ausgelegt ist zwei Gruppen separat voneinander zu halten werden nicht selten auch Degus in Tierheimen oder den Deguhilfen abgegeben. Wer also auf der sicheren Seite sein möchte, der fragt zunächst bei den Tierheimen in der Umgebung oder wendet sich an eine der drei Deguhilfen und schenkt den Degus von dort bei sich ein neues Zuhause. Insbesondere die Deguhilfen unterstützen durch adequate Beratung und kennen die Tiere, die zur Vermittlung stehen bereits auch vom Verhalten her sehr gut. Ein potentieller Degu-Neuling, der auf der Suche nach Degus ist, wird bei den Deguhilfen allemal mehr Informationen/Tipps und Hilfe bekommen als dies ein Verkäufer jemals kann.

 

3. Welche Geschlechter sollte ich wählen?

 

Das prinzipiell wichtigste hierbei ist, dass man nicht beide Geschlechter zusammen hält. Eine Gruppe sollte entweder nur aus Weibchen oder nur aus Männchen bestehen. Die einzig mögliche Ausnahme stellt die Haltung von einem kastrierten Männchen mit mehreren Weibchen dar, da dort eine Vermehrung ausgeschlossen ist. Eine Kastration ist allerdings für einen Degu kein leichter Eingriff und sollte auch nach Möglichkeit nur von einem Tierarzt ausgeführt werden, der über entsprechende Deguerfahrung verfügt, da die Hoden im inneren des Bauchraumes liegen. Daher sollte man Kastrationen von Degus nicht als Standard OP einstufen. Ferner sollte man beachten, dass ein kastriertes Männchen nicht sofort zu weiblichen Tieren gesetzt werden sollte. Über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen sollte das Männchen noch keinen direkten Kontakt zu Weibchen bekommen, da Reste von befruchtungsfähigen Spermien noch zu einer Trächtigkeit führen könnten.

 

Vom Verhalten her kann man grundsätzlich keine großen Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Gruppen feststellen. So ist man also bei einer Anschaffung völlig frei. Manch Männchengruppe kann auch mal zickig sein, dies ist also kein rein weibliches Verhalten. Und auch so manch Degudame kann eine dominante Persönlichkeit haben

 

 

 

4. Wie groß muss die Degubehausung sein?

 

Die Mindestmaße der tierärztlichen Vereinigung vom Tierschutz liegen für 2 Degus bei 100cm x 50cm x 100cm (L/T/H). Diese Empfehlung stammt aus dem Jahre 2004, wo noch vergleichsweise wenig Wissen über Degus und deren Ansprüche bekannt war.

Langjährige Deguhalter empfehlen derzeit ein Mindestmass für 2-3 Tiere von 120cm x 50cm x 100cm (L/T/H o. H/T/L).

Ich gehe noch einen Schritt weiter und empfehle für 2-3 Degus ein Mindestmaß von 120cm x 50 cm x 120cm. Da ein Degukäfig unbedingt zusätzlich zur Boden(Grundfläche) noch weiter Volletagen enthalten sollte, um noch mehr Lauffläche zu schaffen, halte ich das von mir genannte Maß für wesentlich sinnvoller. 120cm Länge scheint mir persönlich das Minimum zu sein, damit ein Degu überhaupt mal ein paar Sprünge geradeaus machen kann. Wenn dann jedoch „nur“ noch bei einer Höhe von 100cm Platz für eine zusätzliche Volletage bleibt, dann finde ich das sehr schade, da man bei einer Höhe von 120cm durchaus schon 2 zusätzlich Volletagen einbauen kann und dadurch ein vielfaches mehr an Lauffläche schafft, was letztlich im Sinne der Tiere ist. Man bedenke dabei, wie viel Platz so manch Einrichtungsgegenstand (Futter/Trinknäpfe, Häuschen, Laufrad, Korkröhre etc) von der Lauffläche wieder wegnimmt…Daher halte ich es im Interesse der Degus für sinnvoll sowohl für Länge als auch Höhe 120cm als Mindestmaß herzunehmen, um so eine Volletage mehr und damit mehr Läuffläche zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt sei noch gesagt, dass ein Laufrad keinen Ersatz für einen zu kleinen Käfig darstellt!

 

 

5. Welche Käfigmöglichkeiten gibt es?

 

Die Auswahl erscheint groß, doch wer genauer über die Ansprüche von Degus informiert ist, wird schnell feststellen, dass es doch gar nicht so einfach ist, eine geeignete Behausung zu finden.

 

 

5.1 Kleintierkäfige

 

Degus sind Extremnager. Plastikwannen, wie sie bei handelsüblichen Kleintierkäfigen vorkommen, stellen also keinerlei Hindernis dar. Darüber hinaus können verschluckte Plastiksplitter verheerende innere Verletzungen verursachen und sogar zum Tode eines Tieres führen!

 

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5.2. Volieren

 

Die meisten im Handel käuflichen Volieren sind leider für eine Deguhaltung ungeeignet. Allein die Bezeichnung Nager-Voliere bescheinigt hier nicht automatisch eine Tauglichkeit für die Unterbringung von Degus. Dies liegt zumeist an den für Degus völlig ungeeigneten Maßen einer solchen Voliere, die in den meisten Fällen leider eine viel zu kleine Grundfläche bei vergleichsweise ausgeprägter Höhe aufweist. Manchmal werden schon verschiedene Aufenthaltsbereiche durch diverse Bretter simuliert, die letztlich jedoch nur wenig Nutzen haben. Degus sind leidenschaftliche Läufer, die in freier Wildbahn mehrere Kilometer täglich zurücklegen bei der Nahrungssuche. Hin und wieder werden auch gerne Kletterangebote von Degus angenommen, jedoch sollten unbedingt ausreichend Laufflächen in einem Degukäfig vorhanden sein. Die wenigen „Sitzbrettchen“ bieten dies jedoch gar nicht, vor allem, wenn man bedenkt wie viel Fläche noch durch Häuschen, Futter/Wassernäpfe und andere Einrichtungsgegenstände davon zusätzlich verloren geht!

Ein weiteres Problem ist oftmals der Einstreuflug, der sich durch die Offenheit einer solchen Gitterkonstruktion ergibt und was nicht selten ein tägliches Putzen um den Käfig herum von Nöten macht. Wer sich also für eine Voliere entscheidet, sollte hierbei unbedingt die Mindestmaße im Auge behalten und unbedingt Volletagen einbauen. Ggf. auch durch die Anbringung von Plexiglasstreifen eine Art Streuschutz einplanen. Insgesamt kommen also zumeist zu den reinen Anschaffungskosten für die Voliere noch zusätzliche Kosten für den degugerechten Umbau (Volletagen/Streuschutz) hinzu. Doch der Problematiken noch nicht genug. Zumeist sind auch die Türen einer Voliere recht klein, so dass man unbedingt vor einem Kauf überlegen sollte, ob für die Käfigreinigung tatsächlich genug Platz vorhanden ist zum Agieren mit Besen und Co.. Man sollte also vor seinem inneren Auge mal schauen, ob noch eine komplikationsfreie Reinigung nach dem Einbau von Volletagen überhaupt noch machbar ist, ohne die halbe Inneneinrichtung demontieren zu müssen.

 

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Hier noch ein sehr schönes Beispiel dafür, dass eine gut konstruierte Voliere durchaus ein sehr schönes Degu-Heim sein kann. Man kann aber auch sehr deutlich die Unterschiede bei den Türgrößen zum obigen Fotobeispiel sehen.

 

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5.3 Terrarien

 

Terrarien haben schon mal einen großen Vorteil. Der Einstreuflug ist praktisch kaum möglich, da die Bauweise eines Terrariums wesentlich geschlossener ist. Allerdings bedeutet dies auch, dass man bei Terrarien auf die Belüftung sein Augenmerk legen muss. Handelsübliche Terrarien sind normalerweise auf die Haltung von Reptilien ausgelegt. Diese benötigen zumeist ein sehr warmes und zum Teil sehr feuchtes Klima. Dies ist bei Degus jedoch nicht angezeigt, so dass ein Terrarium unbedingt mehr Belüftungsflächen braucht, damit dort Degus drin wohnen können.

 

Variante Vollglasterrarien

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Hier ein Beispiel, wie ein Vollglasterrarium aussehen kann.

Man bedenke jedoch, dass so ein Glaspott ein nicht unerhebliches Gewicht mit sich bringt. Mal eben kurz das Mobiliar des Zimmers umstellen oder gar ein Wohnungsumzug…da braucht es schon ein paar starke Männer ;-)

Durch die freie Rundumsicht bietet sich jedoch so ein Terrarium durchaus als Raumteiler an.

 

 

Variante OSB/Holz-Terrarien

 

 

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Hier ein Beispiel für OSB-Terrarien.

In diesem Falle wurden 2 Terrarien aufeinandergestellt. Natürlich wurden hier noch diverse Umbaumaßnahmen durchgeführt, damit überhaupt eine Degu-Behausung daraus werden konnte. Zu nennen ist hier natürlich der zusätzliche Einbau von Belüftungsflächen. Da die Bodenflächen solcher Terrarien natürlich auch aus OSB bestehen wurde hier vollflächig Plexiglas als Urinschutz eingebracht, da OSB Platten nicht mittels Lack urinresistent versiegelt werden können durch die sehr grobe Struktur. Es würde immer wieder Stellen geben, an denen Urin ins Holz einziehen könnte und über kurz oder lang würden die Terrarien sehr unschöne Gerüche verströmen. Ferner musste natürlich ein Übergang vom einen zum anderen Terrarium ausgesägt werden.

Die Verwendung mehrerer Terrarien hat zusätzlich den Vorteil, dass man für die Käfigreinigung den Übergang von Terrarium 1 zu 2 vorübergehend verschließen kann, um so die Degus zeitweilig in einem Terrarienteil einzusperren. Dann kann das leere Abteil gereinigt werden, ohne das die Tiere durch Besen und Co. gestresst werden

 

5.4. Selbstbauten

 

 

Manch einer bedient sich schwedischen Regalen als Basis für einen Selbstbau. Wir haben einen Kleiderschrank umgebaut und ganz bastelwütige Bauen ohne jegliche Basis. Möglichkeiten gibt es viele, und solange man die wesentlichen Punkte von Mindestmaßen, ausreichender Belüftung und der Wichtigkeit von Lauffläche (Volletagen) beachtet, sind der Phantasie wohl kaum Grenzen gesetzt. Erst kürzlich habe ich gesehen, dass ein ehemaliges Hochbett zu einem Käfig für Sittiche umgebaut wurde.

 

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